Ihr Lieblingszimmer
Wir glauben, dass es sich lohnt, sich etwas mehr mit der Gestaltung des Kinderzimmers zu beschäftigen, bevor man sich in die unüberschaubare Flut aus Babymöbeln, Textilien, Teppichen, Wandfarben und sonstigen Dingen stürzt. Einen Raum zu einem Lieblingsraum zu machen kann einfacher sein, wenn man etwas mehr über die Wirkungen von Licht, Farben und Raumgestaltung erfährt.
Ein Zimmer im Loft mit bodentiefer Fensterfront und vier Meter hoher Zimmerdecke? Die Realität sieht meist anders aus. Wir haben irgendwo gelesen, dass die durchschnittliche Fläche eines deutschen Kinderzimmers bei 15 qm liegt. Die Chancen stehen also gut, dass Sie eine Wand (oder sogar die Decke) berühren können, wenn Sie die Arme ausbreiten, denn unsere Kinderzimmer - gerade in den Städten - sind meistens eher klein und in unseren Breiten leider nicht von der Sonne verwöhnt.
Kein Grund zu verzweifeln, wenn Ihre Ausgangsbedingungen nicht die Besten sind - die folgenden Tipps helfen Ihnen bestimmt, das Kinderzimmer zu Ihrem neuen Lieblingszimmer zu machen.
Licht
"Nichts Süßres gibt es, als der Sonne Licht zu schaun." |
Euripides, Iphigenie in Aulis |
Die Größe Ihres Zimmers lässt sich in der Regel nicht ändern - aber es gibt Möglichkeiten, die den Raum größer wirken zu lassen. Der Weg ist einfach: wir ändern die Weise, wie wir den Raum sehen.
Vielleicht entzaubert es unsere nachfolgenden Ausführungen etwas, doch ursächlich für alle hier vorgestellten Möglichkeiten ist unsere Art des Sehens. Wir lernen in den ersten Monaten unseres Lebens die Grundlagen des räumlichen Sehens und verfeinern unser Sehvermögen in den kommenden Jahren. Unsere räumliche Wahrnehmung ist eigentlich das Resultat eines Lernprozesses und beruht nur zum Teil auf dem Umstand, dass das linke und das rechte Auge leicht unterschiedliche Bilder wahrnehmen.
Die wichtigsten Hilfsmittel unseres Raumempfindens sind Linien und Farben oder, um etwas genauer zu sein, Linien und unterscheidbare Farben. Im Wesentlichen gelten folgende Regeln:
- Linien und Kanten geben unserem Auge Führung
- Farben verblassen in der Entfernung
Was können wir also tun, um einen Raum einladender und bei Bedarf auch größer wirken zu lassen? Wir nutzen die Mittel, die unserem Auge schmeicheln, an denen sich unser Raumempfinden orientiert und die uns einen Raum als wohltuend erleben lassen. Beginnen wir also mit der natürlichsten Komponente in unseren Überlegungen: Licht. Licht ist nicht nur für die Raumgestaltung entscheidend, sondern beeinflusst unser Wohlempfinden und sogar unsere Gesundheit. Wir neigen dazu, uns zu wenig im Freien aufzuhalten. Gerade während den dunklen Jahreszeiten fehlt uns so Tageslicht. Der Vergleich der Lichtstärken macht das Problem deutlich: selbst geringe Tageslichtmengen sind immer noch deutlich heller als unsere Zimmerbeleuchtung (welcher wir uns später noch widmen). Eine der Maximen sollte also sein, das zur Verfügung stehende Licht in den Raum zu bringen und dort möglichst gut zu verteilen. Ein licht durchfluteter Raum schafft Wohlempfinden und wirkt einladend. Anders herum gesehen wird Dunkelheit als bedrückend empfunden und spricht vielleicht sogar steinzeitliche Existenzängste an. Zumindest wird in der Dunkelheit Unbekanntes, möglicherweise Unangenehmes vermutet, was einen dunklen Ort im wahrsten Sinne "unheimlich" macht.
Die meisten Räume haben nur eine natürliche Lichtquelle: ein Fenster. Auch in Neubauten finden sich kaum Kinderzimmer, die über mehr als ein Fenster verfügen. Nutzen Sie die Lichtausbeute dieses Fensters so gut wie möglich und vermeiden Sie alles, was den Lichteinfall blockiert. Dies gilt selbstverständlich auch für den Außenbereich: Sie haben große Bäume vor dem Fenster? Dünnen Sie die Äste aus, oder schneiden Sie das Grün zumindest zurück.
Im Raum sollten Sie zudem alles entfernen, was zur Tageszeit das Fenster verkleinert. Zusammengeraffte Vorhänge, Schals und Gardinen entpuppen sich meist als wahre Lichtfallen, da Sie kein Licht reflektieren, sondern einfallendes Licht aufsaugen wie ein Schwamm. Schiebeelemente, Jalousien oder Rollos können den gesamten Bereich des Fensters freigeben und sichern die maximale Lichtausbeute.
Teppichböden - auch in hellen Farben - entpuppen sich ebenso wie die meisten Textilien als Lichtfänger. In Bodennähe gemessen gibt ein heller, hochfloriger Teppich im Test gerade einmal 60 Lux zurück, während bei Laminat in Bodennähe ca. 130 Lux gemessen wird. Die Lichtausbeute ist demnach mehr als doppelt so hoch! Andere glatte, leicht glänzende Bodenbeläge wie z.B. lackierte Bodendielen, Parkett oder Fliesen führen ebenfalls zu einer hohen Lichtausbeute.
Dieser Text ist Teil einer Serie
Dieser Text ist Teil einer Serie über die Gestaltung von Kinderzimmern, die Fortsetzung über Licht, Farbe, Einrichtung und Dekoration folgt bald ...
